München- Du Arrogante...: L. Maazel & Philharmoniker: Mahlers 9te

München, du Ignorante!

Da kommt einer der besten und feinsten Dirigenten nach München an die Philharmonie... und du behandelst ihn so?

Die Philharmonie ist NICHT voll, fast kalt die die Distanz zwischen (alten Abo-) Publikum und Orchester. Auch die feine und kluge Einführungsrede von Elke Heidenreich (vielleicht ein wenig zu stark an das Programmheft angelehnt) zeigt eher die Kluft: „Ein Wechsel (in der Dirigentschaft) bringt Veränderung“. 

 

Klingt eher wie eine Drohung denn als ein Willkommen... und so wird es dann auch!

Lorin - Du warst doch schon in dieser Stadt - lange Jahre. Jetzt -  vor dem Oktoberfest - noch in der letzten Ferienwoche - huldigt man eher dem kurzen Dirndl, dem heraus hüpfendem Dekoltee, der flachen Musse (oins zwa... g‘suffa)... und Du wählst Anspruchsvolles zum Einstand. Strauss: ganz bestimmt, Beethoven - ja - aber: Mahler‘s 9te? Zu schwer an diesem Sommerabend. für diese Stadt - für dieses Abo-Publikum!

 

Die konzertante Leistung ist brilliant. Muß man mehr sagen!

 

Lorin Maazel führt das Orchester (ich habe es 4 Woche zuvor gehört und gesehen zum Sonderkonzert zum Geburtstag von Cellibidache - heute: viel pragmatischer, strenger und super konzentriert. Ein leichter Kick mit dem Stab, die Bläser setzten ein, ein Seitenhieb, die Bratschen kommen, die Linke zuckt ganz leicht und das punktgenaue Donnern der Pauken beginnt - um - mit einem sanften Schließen der linken Faust das Orchester zum Pianissiomo, zum ultimativen Pianissimo, zu führen. Lorin Maazel zuzusehen ist mehr als das Orchester zu hören.

Der Dirigent ist 82 - aber voler Kraft und Eleganz. Der Taktstock malt virtuelle Bilder, schwebt durch die Luft, ist wie ein eigenes Instrument...

 

Der 3te Satz endet mit einem Stakato, rauschend, heftig; der Schlußsatz, der 4te,  verklingt wie ein Zirpen, ein Flügelschlag eines Schmetterlings, so fein und unendlich zart... fast wie das Verklingen, wie das „Verhauchen“ des letzten Atems - der Komponist, Gustav Mahler, war damals schon schwer krank und von Todesängsten geplagt. 

Lorin Maazel führt das Orchester, es folgt ihm allerspätestem seit dem ersten Satz. (.. .da waren wohl beide noch etwas angespannt!)

Ich selbst hätte schon am Ende des 3ten Satzes aufspringen sollen und klatschen (tut man wohl nicht?) - aber der Abo-Besucher bleibt lässig sitzen. Der 4te Satz klingt aus, Maazel beendet mit kleiner, bescheidener Gestik das Konzert - und die Ersten springen auf, um die Ersten bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage zu sein! Banausen!

Für mich war das grandios, die Finger tun weh vom Klatschen - das Publikum dankt nur pflichtbewußt. Erst nach dem 2ten Vorhang (haben die jetzt begriffen, was da abging!) kommt etwas Ethusiasmus auf. Nein - Herzlichkeit ist etwas anderes! (siehe wiederum das Konzert vor 4 Wochen)! Es war ein guter technischer Start... hoffentlich wird mehr daraus... und da muß das MÜNCHNER Publikum was tun.

Vielleicht sollte man mehr Jugend gewinnen.... 

 

Mahler repräsentiert den Übergang zur Moderne (Mozart, Strauss, die Italiener sind verstaubt) - neue Zeiten brechen um 1910 heran (Schönberg (12Ton-Musik)... München war dafür heute noch nicht reif

... und ich kaufe mir gleich die nächste Konzertkarte!

 

Eine umfassende Beschreibung in Worten gibt es unter Wikipedia zum Nachlesen. Hier noch ein paar Eindrücke von der Web-Seite der Münchener Philharmoniker zum heutigen Abend.