Netrebko: Iolanta

Meine Meinung

Heute kann ich es kurz machen… und mich im Wesentlichen der Kritik von Kristina Maidt-Zinke von der Süddeutschen Zeitung anschließen… außer dass ich Superlativen hier nicht gesehen oder gehört habe – außer dem Dirigent, der seine Partitur so laut und gestenreich umblättert, daß man in der 23ten Reihe noch den Windzug abbekommt (das ist halt dann auch der Unterschied zu L. Maazel) und

Anna Netrebko.

 Das Publikum war ausschließlich wegen ihr hier – berechtigt – der Rest war Beiwerk – und bei weitem nicht so einnehmend wie geschildert.

Wer also – so wie ich – die Netrebko sehen und hören wollte – kam auf seine vollen Kosten – das Gesamtwerk war auf dem selben Niveau!

(Schnäppchen war das keins: 229,-- Block J, Reihe 3,53)


Kritik der Süddeutschen Zeitung :

Anna Netrebko mit Tschaikowskys 'Iolanta' in München

Es wirkt nicht ganz unkomisch, wenn vier Damen, eine schmal und blond, die anderen dunkel und üppig, in unterschiedlich gelungene Abendroben gehüllt oder gepresst, in einer Reihe auf dem Podium stehen und auf ihren Einsatz warten - neben einer Blumenvase mit weißen und roten Rosen, dem einzigen, aber unentbehrlichen Requisit für die konzertante Aufführung von Peter Tschaikowskys Einakter 'Iolanta'.

Auch Anna Netrebko, Star des Abends im Münchner Gasteig, schien sich anfangs etwas unbehaglich zu fühlen. Doch kaum hatte das Orchester der Slowenischen Philharmonie unter Emmanuel Villaume den schwerromantisch parfümierten Klangteppich ausgebreitet, verwandelte sie sich glaubwürdig in Iolanta, die blinde Tochter des provençalischen Königs René, genannt 'der Gute', der sie gemäß der Überlieferung in einem Rosengarten gefangen hält, um sie vor der Erkenntnis ihrer Behinderung zu schützen. Nur zwei Freundinnen und die Amme dürfen sich ihr nähern. Ein weiser Arzt aus dem Morgenland verspricht, sie zu heilen, sobald sie den Wunsch verspürt, das Licht zu sehen. Rechtzeitig taucht der burgundische Ritter Graf Vaudemont auf, weckt in ihr die Liebe und damit den Willen zur Genesung, und alles wird nicht nur gut, sondern göttlich: Der Lobgesang des Finales gilt Allah und dem Christengott gleichermaßen und ist textlich wie musikalisch an Pathos kaum zu überbieten.

Peter Tschaikowskys letzte, 1892 uraufgeführte Oper, für die sein Bruder Modest das Libretto verfasste, nahm spirituelle und esoterische Unterströmungen der frühen russischen Moderne auf und konnte während der Sowjetzeit nur in 'bereinigter' Fassung überleben. Danach sind Inszenierungsversuche teils im Kitsch, teils (wie vor drei Jahren bei Netrebkos Baden-Badener Rollendebüt) im ungeschickt Parodistischen versickert. Konzertant lässt sich die kuriose Mischung aus Ritterromantik und religiösem Furor viel unbefangener genießen, zumal man die Textübersetzung nicht unbedingt mitlesen muss, sondern sich einfach am Klang der russischen Sprache in Verbindung mit dem farbenreichen Orchestersatz delektieren kann. Und an Sängerpartien, die dafür geschrieben sind, das Ohr des Stimmkulinarikers zu betören.

Anna Netrebko liebt das Stück und lässt ihm die ganze wohlige Wärme und biegsame Natürlichkeit ihres dunkel getönten Soprans angedeihen; die in der Rolle angelegte Entwicklung von lyrischer Unschuld zu dramatischem Durchblick gestaltet sie fließend, organisch, ohne Extreme. In ihrer schmiegsamen Präsenz steigert sich Sergey Skorokhodov, einer jener Heldentenöre, die gar nicht danach aussehen, als Vaudemont zu heroischen Spitzentönen. Auch Vitalij Kowaljow als René mit Reibeisenbass, die Baritonisten Lucas Meachem als maurischer Mediziner und Alexey Markov als Herzog von Burgund, die übrigen Mitglieder des Tournee-Ensembles und der Slowenische Kammerchor ließen nichts zu wünschen übrig, was die publikumsfreundlich berauschende Musik nicht hätte kompensieren können. Die Ovationen gerieten entsprechend.Kristina Maidt-Zinke“

SZ vom 07.11.2012


Quelle: http://www.sueddeutsche.de/l5t38Q/948239/Waerme-und-Biegsamkeit.html


Inhalt lt. Veranstalter


„Tschaikowsky: Iolanta


Tschaikowsky: Iolanta – Lyrische Oper in einem Akt (konzertant)

Dass Peter I. Tschaikowskys in Russland sehr bekannte lyrische Oper „Iolanta“ in einem Akt hierzulande nur selten aufgeführt wird, liegt vor allem an der Länge – zu kurz fürs Opernhaus, ideal hingegen für eine konzertante Aufführung, so wie sie jetzt in der Philharmonie mit Anna Netrebko in der Hauptrolle auf dem Programm steht. Anna Netrebko hatte sich das Werk für die Salzburger Festspiele 2011 eigens gewünscht und verhalf dem Stück zu einem bejubelten Salzburg-Debüt. Die Geschichte um die blinde, in Unwissenheit um ihr fehlendes Augenlicht aufwachsende Prinzessin, die von ihrem Vater von der Außenwelt abgeschirmt wird, handelt von Einsamkeit, Rettung und Befreiung – eine Liebesgeschichte mit Happy End, mit der Anna Netrebko zum Opernrepertoire ihrer Heimat zurückkehrt. „Konzertant, dennoch triumphal … jeder Ton ihres fabelhaften Soprans ist pures Gold“, schrieben die Salzburger Nachrichten im August 2011. Und tatsächlich: Ohne Inszenierung und Staffage kann die russische Sängerin hier einfach sie selbst sein – bezaubernd, berückend, ganz einfach: Netrebko.

Anna Netrebko, Iolanta
Sergey Skorokhodov, Graf Vaudémont
Alexei Markov, Robert
Vitalij Kowaljow, René
Luka Debevec Mayer, Bertrand
Lucas Meachem, Ibn-Hakia
JunHo You, Alméric
Monika Bohinec, Marta
Nuska Rojko, Laura
Theresa Plut, Brigitta

Orchester der Slowenischen Nationalphilharmonie
Slowenischer Kammerchor 
Emmanuel Villaume, Leitung“


Quelle: http://www.muenchenmusik.de/veranstaltungen/Anna_Netrebko__Iolanta-2465.html


Bildnachweis:

eigene Photos aus der Philharmonie;

http://www.muenchenmusik.de/veranstaltungen/Anna_Netrebko__Iolanta-2465.html