Otello - "Dein Wille, das bin ich."

Sänger Ray Wade jr.
Sänger Ray Wade jr.

Im Ulmer Theater gibt es die erste Premiere in der Spielzeit 2013/14. Otello, ein "Dramma lirico in vier Akten" nach W. Shakespeare mit Musik von G. Verdi.

 

Ich bin also in der Provinz. Der Spielort ist ein eher schäbiges Haus, schon heftig abgewetzt, irgendwo im Stil der 70er, nackter Beton, unbequeme Sitzgelegenheiten, nicht hell und leicht. Das "große Haus" ist wohl noch älter. die dunkelbraune Rillenkonstruktion mag zwar für Akustik geeignet sein, für das Auge ist sie nichts.

 

Der Vorhang geht auf!

 

So sieht es die Südwest Presse Ulm:

Nachtkritik: Otello im Frack

Artikel Nachtkritik; 26.9.2013;

Artikel 2: 2013 09 26;

Die Geschichte ist schnell erzählt oder in Wikipedia nachzulesen. Ein vom großen Helden zurückgesetzter "Untergebener" rächt sich durch gemeines Intrigenspiel und treibt den Held und seine Liebe in den Tod. (Romeo und Julia läßt grüssen!)

 

Der Abend beginnt aber mit einer Ansage (des Intendanten?): der Otellodarsteller sei erkrankt, man habe einen Ersatz in Ray M. Wade aus Köln gefunden. Er werde von der Seite her singen, die szenische Darstellung übernimmt der Operndirektor, Matthias Kaiser, selbst.

Uff - kann das gut gehen.

Das Bühnenbild ist schlicht, schwarz kontrastiert hart mit den weiß geschnittenen Uniformen und kleidern, erlaubt aber auch leichtes Blau und reflektiert feuriges orange. Der zentrale Blickfang - der dynamsche Dreh- und Angelpunkt ist ein Laufsteg, der von links nach rechts die Bühne durchspannt, mal als Tisch, mal als SChiffsbug, mal als Liegestatt und Grab dient.

 

Man muß sich an die ungewöhliche Situation gewöhnen, der Schaupsieler OTELLO bewegt den Mund, doch der Klang kommt links aus der Bühne. Spätestens nach dem ersten Akt hat sich der Zuschaer daran gewöhnt.... konzentriert sich wohl in manchen Passage eher auf den Sänger als auf die Bühne.

Die Inszenierung ist solide, wenig spektakulär... fast provinziell im ersten Akt.  Otello kehrt zurück aus der Schlacht. Gefeiert! Der Intrigant beginnt sein Netz auszulegen. Dass aber Desmadonna und Otello über den Steg in kräftig organe Bühnenbild (Sonnenuntergang) entschwinden, ist doch recht klischeehaft, fast kitschig. Auf jeden Fall abgegriffen.

Der zweite Akt beginnt dynamsich, ist mir aber dann im Ausklang im endlosen Monolg zu lang. Der Dame wird zuerst Gehuldigt, vorherschende Farbe auf der Bühne wei - um dann abzudunkeln in die beginnende Intrige.

Nach der Pause der kompakteste Akt. Dynamsich, dramaturgisch spannend, treibt der Held dem Schicksal entgegen. Hier paßt alles - die Schauspielerische Leistung, die Musik harmoniert mit Licht und Darstellung Schatten auf Gesichtern - die Intrige als versteinertes Gesicht des Integranten Jago. Der held sitz unter der Brücke, verzeifelt, an sich, an allen zweifelnd, hin- und hergerissen - das paßt.

Hier ein großes Kompliment an M: Kaiser. Otello ist als Schwarzer in der großen zeit Venedigs ausgelegt. Hier spiel ein hagerer, gebeut, schon im Ansatz von der Last Gedrückter, mit wackeligem, schlendrigen Gang diese Rolle - den (ungewollten Kontrast): links an der Bühne steht der Tenor Ray Wade, von der Hautfarbe tief schwarz, groß und gewichtig. Das Leiden nimmt man dem schlacksigen Weißen ab - die Stimme - vielleicht kommt  irgendwie das Genre des Stummfilms in den Kopf des Zuhörer (das wäre auch dr einzige Verbesserungsvorschlag: keine unsynchronen Mundbewegung - Gestik und Mimik waren so ausdruckstark und passend - die Mundbewegung ist definitiv nicht nötig in dieser Situation).

Auf jeden Fall fühlt das Publikum mit dem Helden, der unter der Brücke grübelt, verzweifelt und Jago und dessen hinterlistigen Gedanken verfällt.

 

Der Vierte Akt beginnt folgerichtig und hinreichend spannend. Aber das Abschiedslied des Desmodona mit einem Ave mMria ist schlicht zu langweilig. Kürzen wäre da erlaubt. Wohl aber die finale Szene findet wieder die Spannkraft des dritten Akts. Der Todeskuß und der traurige Erkenntnisgewinn, von Eifersucht und Mißtrauen getrieben, dem Bösen aufgesessen zu sein, kommen wieder glaubhaft rüber.

 

Bleibt am Ende doch das Lob, daß Schaupspiel, Gesand und Orchester sauber miteinander harmoniert haben, die Inszenierung bodenständig gut - mit wenig Effekten, Spektakulären auskommen und insgesamt einen guten, runden Eindruck hinterläßt.

Fröhliche Premieren-Party!