Wer hat Angst vor Verginia Woolf - ein Verriß

Selten bin ich aus einem Theaterstück so leer herausgekommen.

 

Wir erleben genau 1 Nacht eines „Upperclass“-Ehepaars, das sich nach einer Party ein weiteres Ehepaar eingeladen hat, sich mit Whiskey und Congac zusäuft und hier einen Ehekrieg bis auf die Knochen vorexerziert und am nächsten Morgen so tut, als sei nichts geschehen. Das mag soweit zeitlos sein, doch diese Inszenierung hat den Transfer aus den amerikanischen 50/60er Jahren in die Jetzt-Zeit nicht geschafft.

 

 


  • Premiere 18 Sep 14
    Vorstellungsdauer  2 std.   
    Reihe 6/ Platz 146 45,50 €
  • von Edward Albee
  • Regie Martin Kušej
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz

 

 

http://www.residenztheater.de/inszenierung/wer-hat-angst-vor-virginia-woolf

 


Immer wieder taucht die Geschichte eines gemeinsamen (imaginären) Sohnes auf – ohne sich für den Zuschauer zu erschließen.  Für mich hätte sich die Inszenierungen auf die ersten 5 und die letzten 5 Minuten beschränken können.

 

Martin Kušej hat als Bühnenbild eine schlichte weiße Bühnenrückwand gewählt -  und vor der Bühne eine Scherbenstraße, die sich im Laufe des Abends weiter füllt. Gleizendes Neonlicht zwischen den Szenen. Die Idee ist leider schon 2012 mit „Den bitteren Tränen…“ aufgebraucht.

Was ist die Idee hinter dieser Inszenierung?

Gläser werden zerbrochen, Flaschen von der Bühne gekickt, ein bißchen Sex, mal ein bißchen vulgär. Ich erkenne weder Zeit-Kritik noch Aussage.

Die Damen im meist älteren Publikum kichern dumm, wenn die Heldin vor ihrem Mann kniend, versucht, seine Hose zu öffnen.

Artig gibt es am Schluß Applaus – mein Nebensitzer meine, er habe schon den Film mit Liz Taylor und R. Burton gesehen – deshalb habe es ihm gefallen. Er hätte vielleicht besser nochmals den Film angeschaut.

Also meine Empfehlung: „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ sehen und erleben – das hier ist halt ein Theaterbesuch.

 

In München laufen z. Zt. 3 Stücke von  Krusek und der Hauptdarstellerin Bibiane Beglau. „Faust“, „Die bitteren Tränen…“ und eben „..Vergina Woolf“. Faust ist ein gelungenes Gesamtkunstwerk, „Petra von Kant“ ein aufregendes intimes Kammerspiel, hier scheint die Kraft aller Protagonisten bereits erschöpft!


Die Süddeutsche faßt das Gesehene so zusammen:

es "dringt nicht bis zum Herzen des Stücks vor, er schaut ihm bloß in die Unterhose." (ebenda)

 

Die ganze Kritik und weitere Stimmen zu diesem Stück unter:

http://nachtkritik.de/index.php?view=article&id=9993%3A2014-09-19-06-48-12&option=com_content&Itemid=40

 

 

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