"Warum läuft Herr R Amok? Eine Inszenierung der Münchner Kammerspiele

Die Kammerspiele München zeigen unter der Regie von Susanne Kennedy das Stück „Warum läuft Herr R. Amok?“ nach einer Vorlage/ einem Film von R. W. Fassbinder und Michael Fengler.

Mein Resumee: gefallen hat’s mir nicht! Diese Langsamkeit war anstrengend – einzelnen Szenen haben die im Begleittext angesprochene Leere transportiert – z.B. die sinnentleerten Dialoge, die es oft in Bars oder im Tratsch mit der Nachbarin gibt. Der Begleittext zur Inszenierung war spannender…..

Süddeutsche und FAZ sind in der Premierenkritik durchaus angetan – der Münchner Merkur verreißt das Stück. Von Entschleunigung ist hier die Rede. Entschleunigung: Die Gesichter der Schauspiele sind entstellt, nein: leicht entfremdet, verschoben, wachsfarben und ohne wirkliche Mimik, abgedeckt durch zarte Latex-Gesichtsmasken. Die Dialoge reduziert, oft nur ein äh, oh, gut, nein!, nur durch die Mundbewegung angedeutet, Lautsprecher bringen die aufgezeichneten Texte und Geräusche (Gurgeln, Schlucken) überdeutlich nach vorn.

Ganz schon anstrengend für den Zuhörer- in einer der letzten Szenen erschlägt Herr R. seine Frau, seinen Sohn und die Nachbarin mit einer Gartenstatue – aber von „Amok“ ist da nix zu merken – ganz langsam geht das vor sich.

Susanne Kennedy ist wohl bekannt für diese Art der Darstellung, für das Extreme (?) zumindest für den gestressten Zuschauer. Die FAZ meint, das sei eher einer Performance denn ein Theaterstück.

Hier die zusammengefaßten Kritikerstimmen aus der Nachtkritik.

"Kritikenrundschau

In der Süddeutschen Zeitung (29.11.2014) schreibt Christine Dössel: "Ein idealer Stoff für eine Regisseurin, deren Stärke das stark formalisierte Spiel mit Identität, Verfremdung, Playback ist." Auf sehr installative Art ("Richtung Bildende Kunst") ziehe die Regisseurin mehrere Ebenen der Verfremdung ein. "Der Blick auf den Menschen ist in diesem Forschungslabor gnadenlos. Alles ist übergroß, jede Geste, jede Pause, jeder Blick. Die Zeit wird gedehnt, jedes Geräusch verstärkt." Die Reizbarkeit, die dabei entstehe und durch die zähe Monotonie der Szenenabfolge auch mal in Langeweile umschlage, sei Teil des Experiments. "Es ist gelungen."

In der Frankfurter Rundschau (29.11.2014) schreibt K. Erik Franzen, die Regisseurin schraube ihre Ästhetik im Vergleich zu Fegefeuer in Ingolstadt noch eine Umdrehung weiter. Kennedy dekonstruiere ohne Erbarmen und schaurig-komisch die Stationen des völlig falschen Lebens im Falschen. "Man ist Opfer und Täter zugleich. Das gelingt gerade wegen der maximalen Verfremdung, die den Arbeiten von Susanne Kennedy innewohnt. Es ist, als ob erst aus der größtmöglichen Distanz heraus die Zuschauer sich selbst erkennen können." Und: "Ist das noch Theater oder schon Performance?"

"Was als Brechung von Sehgewohnheiten und Ausbremsung von Erwartungen zunächst funktionieren mag, endet rasch in zäher Belanglosigkeit", findet Michael Schleicher im Münchner Merkur (29.11.2014). Dass Kennedy mit derselben Methode  arbeite wie bei "Fegefeuer in Ingolstadt", möge bequem sein, "doch ist es (zu) wenig, das eigene Regiekonzept (erweitert um Masken) einfach nochmal auszumotten". Das sei hier besonders ärgerlich: "Denn ihr Ansatz stellt arrogant die Figuren aus. So gibt Susanne Kennedy gnadenlos dem Gelächter des Premierenpublikums preis, was die Menschen im Stück ihr Leben nennen – und manchmal vielleicht genauso mögen, wie es ist. Das ist zynisch, überheblich."

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Quelle: http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=10280:2014-11-28-07-36-56&catid=38:die-nachtkritik&Itemid=40

2.12.2014