Brandfort Marsalis und die hrBigBand - "eher Smoking denn Jazzkeller-Hemd"

So umschreibt die Frankfurter Rundschau den Abend mit der hrBigBand unter Leitung von Jim McNeely. Gediegener Jazz im Big Band Sound - und ein Solist am Sax. Nicht mehr - aber auch nicht weniger!


Die Frankfurter Rundschau beschreibt den Abend wie folgt:


"„Hommage an das Tenorsaxophon“ ist der Abend überschrieben, mit einer Ausnahme hat Chefdirigent Jim McNeely Songs von Tenorsaxophonisten gewählt. Seine Arrangements – mal süffig und klangsatt, mal scharf, mal reduziert, gelegentlich gar impressionistisch-flirrend – sind die heimlichen Stars, vorangetrieben von der gut geölten Jazzmaschine des Hessischen Rundfunks. Marsalis lässt das zu. 

Der Saxophonist, der mit Sting und Tina Turner gespielt hat (wie der Hessische Rundfunk seit Wochen wirbt), ist einer der berühmtesten seiner Zunft, aber keiner, der ungeduldig auf sein Solo wartet und dann alles wegbläst. Seine Bühnenpräsenz ist vornehm zurückhaltend, er überlässt die knappen Ansagen McNeely, geht zur Seite, wenn andere dran sind.


Genauso vornehm ist sein Ton: Er überlässt es anderen, die Noten zu räuchern, zu zerkratzen, zu biegen – dem HR-Saxophonisten Tony Lakatos zum Beispiel, der mehrere kraftvolle Auftritte hinlegt. Seine stürmischen Zeiten mit Ausflügen in Pop und Hip-Hop hat Branford Marsalis wohl hinter sich, auf seinem jüngsten Album findet sich gar ein Satz aus einem Oboenkonzert von Carl Philipp Emanuel Bach.

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Auf Hochglanz polierte, fein ziselierte Läufe winden sich aus Marsalis’ Tenor- und einmal auch Sopransax. Wayne Shorters Komposition „Hammerhead“ und seine Ballade „Iris“, Benny Golsons „Whisper Not“ oder Johnny Greens „Body and Soul“ tragen eher Konzertsaal-Smoking als Jazzkeller-Hemd. Coleman Hawkins’ legendäres Solo zu letzterem legt McNeely der Band in verteilten Rollen in die Schalltrichter.

Ein Highlight ist „The Eternal Triangle“ von Sonny Stitt: Marsalis, Lakatos und Trompeter Axel Schlosser in spielfreudiger Dreifaltigkeit. Auch John Coltranes Standard „Grand Central“ entwickelt im Zusammenspiel mitreißende Kraft, mit Heinz-Dieter Sauerborn am Alto. „Die drei Tenöre“, die laut McNeely Gene Ammons’ Blues „Hittin’ The Jug“ interpretieren, sind Marsalis, Lakatos und Steffen Weber.

Bei aller Alte-Opern-Kompatibilität ist es ein kurzweiliger Abend. Als Intro zu einem „Mash-Up“ (McNeely) aus Eddie Harris’ „Freedom Jazz Dance“ und Jimmy Heath’ „Gingerbread Boy“ darf Martin Scales seine Gitarre mit Wah-Wah-Pedal aus blubbernden Sumpflandschaften aufsteigen lassen, und der „Carribean Fire Dance“ von Joe Henderson schwingt, von Drummer Jean-Paul Hochstädter beflügelt, tropisch die Hüften.

Ein poetisches Arrangement von Coltranes „After The Rain“ als Zugabe entlässt schließlich ein zufriedenes Publikum in die Nacht."


Quelle

http://www.fr-online.de/musik/alte-oper-branford-marsalis-branford-marsalis-mit-der-vornehmen-variante,1473348,30521312.html; 24.4. 2015