"Die Blechtrommel" von G. Grass am Schauspielhaus Frankfurt - ein Erlebnis!

Die Blechtrommel - eine sensationelle Inszenierung in Frankfurt

Es ist das Grass-Jahr: das Thalia-Theater in Hamburg inszeniert Grass, Frankfurt bringt die "Blechtrommel " auf die Bühne und Grass geht.... in Lübeck wird die Trauerfeier die letzte Hommage an den grossen Literaten.
Bei der "Blechtrommel" hat jeder sofort den Film von Volker Schlöndorff im Kopf, einige haben den Roman gelesen... vielleicht zuletzt in ihrer Schulzeit in den 1980-1990er Jahren. Wie also bringt man so ein Stück  auf die Bühne ohne am Vorbild aufzugehen?  Frankfurt tut dies in einem 1-Mann-Stück. Nico Holonics als Oskar Mazerath unter der Regie von Oliver Reese bringt hier eine sagenhafte schauspielerische Leustung auf die Bühne von so hoher Dichte und Grass'scher Ausdruckskraft, die zu recht gelobt und das Publikum zu stehenden Ovationen motiviert.

Oscar Mazerath beschliesst im Alter von 3 Jahren nicht mehr zu wachsen!

Nico Holonics bekommt Knickerbocker, die bis unter die Achseln reichen, einen überdimensionalen Stuhl (aus der Perspektive eines 94cm Gnoms) und man fühlt sich sofort auf dieses Grössenniveau fokusiert. Holonicis überragende Leistung representivert der Wechsel zwischen quängelndem 3-Jährigen, weinerlich pubertierendem 16jährigen und in jeder Phase bereits "fertigem" Erwachsenen. Auf den Punkt gebracht: Holonics alias Mazarath erzählt in einer Retrospektive seine Lebensgeschichte. Highlights, die auch im Film prägend sind, finden wir "natürlich" auch in der Theaterinszenierung: der Maiaufmarsch, der durch den Blechtrommler in einen "Wiener   Walzer" verwandelt wird, die Aalszene und selbstverständlich die Brausepulver-Geschichte - und wie  nach der Buchlektüre - empfehle ich: probiert es aus!

Markant an dieser Inszenierung: 1-Personen- Stück, keine Nackten, kein Geschrei. Oscar kann mit seiner hochfrequenten Stimm-Eruption Glas sprengen - das sind hier ganz leise, aufs mimische reduzierte Szenen, pointiert mit einem gestischem "Plopp", " Peng"; so wie man das Flug- und Einschlaggeräusch einer Granate/ Flugzeug stimmlich immitiert.... und  hören  von dem vernichtenden Einschlag einer Granate in der Polnischen Post in Danzig.

Wir Zuschauer sind beheistert - mehr als 2 Stunden einen Monolog zu führen und doch den Zuschauer in die einzelnen Szenen zu entführen - ist eine aussergewöhnliche Leistung von Regie und Darsteller. Zurecht erheben sich schon nach dem 2ten Vorhang die Zuschauer zu stehenden Ovationen.... Und das Tolle: im Gegensatz zu München ist hier viel junges Theaterpublikum!