"Die Geschichte vom Franz Biberkopf" im Schauspiel Frankfurt

Das Schauspiel Frankfurt zeigt eine Bearbeitung von Alfred Dublins bekannten Roman "Berlin Alexanderplatz", die er speziell für das Radio unter dem Titel "Die Geschichte des Franz Biberkopf" bearbeitet hat.

 

 

 

 

Als Döblin-Fan ist das ja fast eine Pflichtveranstaltung. Der Deutschlandfunk hat die Inszenierung "kühn" betitelt. Zwiespältig wird die musikalische Einlage und die Kostümierung gesehen. Manche sprechen sogar von Klamauk . Also erst recht ein Grund, sich diese Aufführung anzusehen.

 

Bild: Foto: Birgit Hupfeld; 

https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/premieren/die-geschichte-vom-franz-biberkopf/ 

18.5.2016 


  • Besetzung
  • Sascha Nathan (Franz Biberkopf / Hiob)
  • Till Weinheimer (Tod)
  • Felix Rech (Reinhold / Stimme)
  • Paula Hans (Mieze / Junge / Fiat)
  • Josefin Platt (Eve / Witwe)
  • Christoph Pütthoff (Pums / Richter / Wirt)
  • Alice von Lindenau (Lina / Cilly / Toni / Opel)
  • Till Firit (Meck / Klempnerkarl)
  • Thorsten Danner (Lüders / Herbert / Max / Hoppegartener)

Schauspielhaus

Uraufführung 17. September 2015

2 Std. 45 Min., inkl. Pause

 

Regie

Stephanie Mohr

 

Live-Musik

The Tiger Lillies

 

Quelle: Homepage Schauspiel FFM



Das Bühnenbild ist der nackte, schwarze Theaterraum. Ganz hinten öffnet sich über die ganze Höhe eine schmale Tür. Franz kommt aus dem Knast. Schon dieses spärliche Startbild fesselt den Zuseher.

Das Bild bleibt sparsam; Elemente zum Bühnenbild schweben von der Decke - der kommen aus der Tiefe des Orchestergrabens. Skurril ist die Gestaltung der Figuren. Bleich geschminkt, mit schwarzen Augenhöhlen wechseln die Nebendarsteller die Rollen. Nur der Tod bleibt als ständiger Begleitung permanent an Franzens Seite.

 

In 19 kurzen Einlagen werden die einzelnen Szenen durch die Tiger Billies getrennt: englisch-sprachig, kehlstimmig mit Quetsche (Akkordeon) ; leider ist der Text auch für Geübtere kaum zu versehen. Diese Einlagen passen durch den skurrilen "english-style"-Vertrag zur Inszenierung - warum aber in englisch erschließt sich mir nicht. 

Typisch dafür: die Pause begint - und entläßt das Publikum ein wenig ratlos - mitten im Stück!

Ja, es war eine ansprechende Inszenierung, die 2te Hälfte schien mir kompakter und echter in der Erzählung und zeigt den Kampf von Franz gegen sich und gegen die Schlechtigkeit der Welt.

 

 

 

 

 

KEINER WILL MIR HELFEN, NICHT GOTT, NICHT SATAN, KEIN ENGEL, KEIN MENSCH. 

KEINER WILL MIR HELFEN, NICHT GOTT, NICHT SATAN, KEIN ENGEL, KEIN MENSCH.

Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« zählt neben James Joyces »Ulysses« und »Manhattan Transfer« von John Dos Passos zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur. Weitgehend unbekannt aber ist, dass Döblin sein Meisterwerk unter dem Titel »Die Geschichte vom Franz Biberkopf« für das Radio selbst bearbeitete. Es ist die Geschichte des geläuterten Ex-Häftlings Franz Biberkopf, der sich fest vorgenommen hat, sein Geld nur noch mit ehrlicher Arbeit zu verdienen, um am Ende verlassen und gedemütigt doch wieder auf die schiefe Bahn zu geraten. Deutlicher noch als im Roman stilisiert Alfred Döblin darin den Weg seines Helden zur Prüfung Hiobs als den Kampf des Individuums gegen den übermächtigen Moloch Großstadt, das sich, verführt und verraten, am Ende gebrochen seinem ungleichen Gegner beugen muss.

Döblins teils düsteres, oft komödiantisches, immer aber rührendes Großstadtpanorama ist wie geschaffen für den rabenschwarzen Humor und die Melancholie der englischen Band »The Tiger Lillies«. Sie gelten als die »Urväter des Brechtschen Punk Cabaret«, kombinieren Zirzensisches mit ihrem britischen Humor und schaffen damit ihren eigenen unverwechselbaren Sound. Mit Regisseurin Stephanie Mohr verbindet sie eine längere künstlerische Zusammenarbeit, so haben sie 2011 gemeinsam in Wien eine legendäre Version des »Woyzeck« erarbeitet.

 

Quelle: https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/premieren/die-geschichte-vom-franz-biberkopf/; 18.5.2016