47. Deutsches Jazzfestival Frankfurt - Eröffnungskonzert

Eher zufällig bin ich auf diese Veranstaltungsreihe des hr2 gestoßen. 

Dies ist das Eröffnungskonzert mit der hr-Bigband und Chucho Valdés - Joe Lovano-Quartett.

 

hr-bigband

Django Bates: key, von, Leitung

Stuart Hall: guit, violin, string things

Martin Dahl: guit, voc

Jonas Westergaard: bass, voc

Peter Bruun: drums, voc

 

Chucho Vladés: piano

Joe Lovano: sax

Francisco Mela: drums

Yaroldy Abreu Robles: pero

Django Bates und die hr-Bigband spielen "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Ganz recht, es geht hier um das berühmte Beatles Album aus dem Jahr 1967. Nie live aufgeführt wird es heute Abend von der hr-Bigband und Django Bates aufgeführt... ein Versuch, diesem reinen Studio-Album mit damals revolutionären Aufnahmetechniken und Kreativität gerecht zu werden.

Singen wird der Däne Martin Dahl.

Der Titel "Lucy in the sky with diamonds" harmoniert noch nicht so richtig, Martin Dahl tut sich gegen die Band und Bates'Quartett schwer. Doch mit jedem Titel gibt es eine signifikante Steigerung - so daß zurecht das Publikum bei "all you need is love"  begeistert applaudierte.

Die Songs sind eingängig, die HR bringt den großen Schwung Jazz - aber wir bleiben doch eher im Pop-Bereich. Das, was die Beatles im Studio experimental erarbeiten - kommt hier nur ansatzweise rüber - aber hinreichend eingängig.

 


Nach der Umbaupause steht dann ein Großer des Jazz-Klaviers auf der Bühne: Chucho Waldes - zusammen mit Joe Lovato und seinem Quartett. Joe Lovato gern gesehener Gast im Rhein-Main-Gebiet, dominiert sicher diesen Teil des Konzerts. Zu hören ist dieser klassische Saxophone-Jazz mit entsprechender Klavier-Unterstützung.

 

Was war zu hören: Pop im Jazz-Arrangement und klassischer Jazz. Für eine Eröffnung gut aber insgesamt doch eher konventionell.

Insgesamt war es mir fast ein wenig zu viel - 2 Konzerte an einem Abend. Sicher ein sehr privates Urteil.


Und so berichtet die Frankfurter Rundschau - und eigentlich freut es mich, dass der Autor das Konzert ganz ähnlich empfunden hat..... siehe dazu nachfolgendes Zitat:


DEUTSCHES JAZZFESTIVAL FRANKFURT  27.10.2017Sandstrahl, grob und fein

 Von 

Der fulminante Start des 47. Deutschen Jazzfestivals Frankfurt in der Alten Oper: Die hr-Bigband spielt sich durch das „Sgt. Pepper“-Album der Beatles, Kubaner um Chucho Valdés dekonstruieren Buena-Vista-Klischees.

 

Am Ende kommt das Banner runter. Rhythmen ruckeln die Riesenfolie, auf der „47. Deutsches Jazz Festival Frankfurt“ steht, aus der Aufhängung über der Bühne der Alten Oper. Ein paar Minuten noch stützt ein pantomimenhaft bleiches Händepaar in den Falten des schwarzen Vorhangs das Banner, dann stürzt es ab, erschöpft nach dreieinhalb Stunden Doppelkonzert.

So geht es auch Teilen des Publikums nach dem prallen Programm am ersten von fünf Festivaltagen. Erst malt die hr-Bigband mit Gästen knallbunt das komplette „Sgt. Pepper“-Album, dann treffen sich die Jazz-Silberrücken Chucho Valdés und Joe Lovano zum afrokubanoamerikanischen Gipfel. Das ist wie zwei XXL-Menüs nacheinander: superlecker, aber ein bisschen viel.

Der britische Arrangeur und Keyboarder Django Bates hat im Auftrag der hr- und mehrerer skandinavischer Bigbands die Tonbandschichten, Orchesterglissandi und Dampfpfeifenorgeln des wohl wichtigsten Albums der Beatles in Jazz übersetzt. Der Titelsong kommt noch etwas ungelenk, Sänger Martin Dahl wirkt steif. Das liegt auch am Sound, der Däne ist zu wenig zu hören, Schlagzeug und Bass (Peter Bruun und Jonas Westergaard) dominieren zu sehr.

Bis „She’s Leaving Home“ haben sich die Musiker freigespielt. Das im Original leicht rührselige Familiendrama bekommt ein dysfunktionales Klanggewand angepasst. Von nun an blasen Bigband und Gäste mal mit grob-, mal mit feinkörnigem Sandstrahl Ecken, Kanten und Schrägen des psychedelischen Meisterwerks von 1967 frei, das die Beatles, zur Studioband mutiert, nie live aufgeführt haben.

Samt Zirkuswalzer

Der Brite Stuart Hall vervollständigt die Gästeliste an Gitarre, E-Geige, Banjo und Lap-Steel, steuert Details wie Sitar-Sounds bei. In George Harrisons indisch inspiriertem „Within You Without You“ zeigen die hr-Saxofonisten ihr Querflötenkönnen, der Irrsinn von „Being For The Benefit of Mr Kite!“ samt Zirkuswalzer tropft süffig aus den Schalltrichtern, das Music-Hall-nostalgische „When I’m Sixty-Four“ shuffled den Seniorentanztee durch, und in „Good Morning“ krähen die Hühner.

Dahl singt mit McCartney-Lennonesker Untertreibung. Jazz-Rock-Fusion-Sounds und solistische Spitzlichter blitzen auf. Die Mini-Oper „A Day In The Life“ und die Zugaben – „All You Need Is Love“ samt einem Schnipsel „Ode an die Freude“, „Strawberry Fields“ und „Penny Lane“ – wecken den Wunsch, die ersten drei, vier Songs nochmal richtig zu hören. Doch jetzt ist Pause.

Danach zelebrieren der (auch körperliche) Gigant des kubanischen Klavierjazz, Valdés, sein italoamerikanischer Saxophon-Kollege Lovano und eine quirlige, frische Rhythmusgruppe feinste Latino-Grooves und dekonstruieren Buena-Vista-Klischees. Valdés’ Hände traktieren in begnadeter Unabhängigkeit von rechts und links mal elegisch, mal brachial die Tasten. Kehlig federt Lovanos Tenor.

Wenn trotz aller Kreativität Dudeliges dräut, treten Gastón Joya am Bass sowie Francisco Mela und Yaroldy Abreu Robles an Drums und Percussion den Älteren in die Hintern. Ein großartiges Set, für das im Musikmagen nach der stark gewürzten Geschmacksvielfalt von „Sgt. Pepper“ der Platz ebenso begrenzt ist wie die Haltbarkeit teurer Werbebanner. Es hätten zwei Abende sein dürfen.

 

Quelle:http://www.fr-online.de/musik/deutsches-jazzfestival-frankfurt-sandstrahl--grob-und-fein,1473348,34891498.html

27.10.2016