"Xerxes" - Oper in 3 Akten - in Frankfurt: eine bissige Persiflage auf die "bessere Gesellschaft"

Romilda im roten Kleid bei Xerxes; Quelle: 19.1.2017; http://www.oper-frankfurt.de/de/spielplan/xerxes/?id_datum=382
Romilda im roten Kleid bei Xerxes; Quelle: 19.1.2017; http://www.oper-frankfurt.de/de/spielplan/xerxes/?id_datum=382

Ich bin auf der Suche nach einer Ablenkung hier in der Rhön: Theater, was Swingendes, Klassik? Oper? Oper! Ich bin auf Xerxes in Frankfurt gestossen. Die dortigen Oper hat einen hervorragenden Ruf (Berlin, Frankurt, München).

 

Xerxes gilt als die untypische Oper aus der Feder von G. F. Händel. Und 1738 war sie in London ein Flopp!

Also ist das mein Start ins Kulturjahr 2017! Und ich habe es nicht bereut. 

 

Hervorragende Stimmen, viel schauspielerisches Talent, ein hervorragendes Opernorchester und eine amüsante Einführung durch den Dramaturgen machen dies zu einem spannenden Abend!

Tilmann Köhler hat Xerxes mit einer Frau besetzt. Im teuren Business-Massanzug stolziert der Despot durch das Banket- Ensembles. Schande der Schlechtes dabei denkt: Xerxes benimmt sich wie Trumpp oder wie so manch einer im beruflichen Umfeld des Autors... So zumindest eine erste Assoziation.

In der Einführung bezeichnet der Dramaturg die Konzeption als  "Kammerspiel":  das Bühnenbild ist nur ein Halbrund, das von einer reich gedeckten Tafel dominiert ist. Um oder auch darauf oder gelegentlich darunter bewegen sich die Protagonisten - in den ersten beiden Akten. 

Die Handlung als solche  lässt sich in Wikipedia bestens nachlesen. Der Orchestergraben ist durch einen breiten Laufsteg vom Publikum getrennt. Hier aber entsteht ein ganz enger Kontakt zum Publikum: er ist Teil des Bühnenkonzepts und ermöglicht wenigstens den ersten 5 Reihen ganz nah an den Sängern zu sein. Deswegen sitze ich in Reihe 5!

Der Dramaturg hat ein schnell wechselnde Rhythmik und Tempi versprochen. .. Ein außergewöhliches Musikerlebnis. Mangels Vergleichbaren kann ich nur sagen, mir sind von den genannten Brüchen wenig aufgefallen...zu mindestens nicht als Bruch. Ich hätte mir die Musik eher etwas  kraftvoller vorgestellt.

Was bleibt? Händel hat damals ein Stück "Unterhaltung" kreiert. Das kam ins dieser Inszenierung von Tilmann Köhler gut an - Stimmen, Schauspielerei, Video-Installation aus dem Off der Bühne mit dem Gesichtern der Sänger im Überformat: sehr gut. Händel wollte durchaus kritisch und mutig Korruption und die desolate HighSociety angreifen ... heutige Bezüge sind rein zufällig!!

Insgesamt ein toller langer Abend mit 3h Stunden Musik, hervorragendem Gesang und toller Schauspielerischer Leistung.

 

BESETZUNG

Musikalische Leitung

Constantinos Carydis

Regie

Tilmann Köhler

Bühnenbild

Karoly Risz

Kostüme

Susanne Uhl

Licht

Joachim Klein

Video

Marlene Blumert

Dramaturgie

Zsolt Horpácsy

 

Xerxes

Gaëlle Arquez

Arsamene

Lawrence Zazzo

Romilda

Elizabeth Sutphen *

Atalanta

Louise Alder

Amastre

Tanja Ariane Baumgartner

Ariodate

Brandon Cedel

Elviro

Thomas Faulkner

 

Quelle: 

http://www.oper-frankfurt.de/de/spielplan/xerxes/?id_datum=382; 18.1.2017


Besonders stark war Gaëlle Arquez als Xerxes. Mit ausgesuchter Mimik hat sie her wesentlich zum Erfolg beigetragen. Etwas schwach in Konzeption und Auftritt war Tanja Baumgärtner in der Rolle der Amastre. Und dass Thomas Faulkner der Diener Elviro sein soll, erkennt man erst, wenn man der Einführung geraucht hat. Die war im übrigen ein Highlight. Der Dramaturg 

Zsolt Horpácsy erzählt in lockerer Art und vergisst dabei nicht, das Ensemble zu loben..

Dass im 3ten Akt die Möbelierung sich auf einige wenige Stühle reduziert, ist wohl eher der vorangegangenen Sauerei beim Banket zu verdanken als einem dramaturgischen Schachzug. Und das letzte wirkliche Opfer ist die Plantage, in die sich Xerxes anfangs verliebte: die ist jetzt völlig blattlos im Balkonfenster oder Raucherzimmer über der Bühne - das einzig wirkliche Opfer - denn Arsamene und Romilda finden zueinander - und Xerxes richtet die Pistole gegen sich selbst.


 

"Auf der HomepageDer König liebt einen Baum – er liebt aber auch Frauen. Und regieren tut er auch noch. Mit seiner skurrilen Liebeserklärung an eine Platane, »Ombra mai fu« – eine der schönsten Händel-Arien überhaupt –, beginnt das seltsame Spiel. Im Mittelpunkt der verwirrenden Tragikomödie steht der königliche Exzentriker Xerxes. Der liebestolle König und sein besonnener Bruder Arsamene sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Arsamene macht immer das, was richtig ist, auch wenn er von seinem Bruder und König dafür bestraft wird. Xerxes dagegen will immer das haben, was er nicht kriegen kann und wechselt zwischen strategischer Kriegsführung und seinen Frauen- und Platanen-Geschichten ungeniert hin und her. So plant er, eine gigantische Brücke für sein Heer zu bauen und zugleich die Geliebte seines Bruders, Romilda, zu erobern. Doch ist der König bereits standesgemäß mit der Königstochter Amastre verlobt, die das Ganze als Soldat verkleidet heimlich – und wütend – beobachtet. Liebe, Neid und Eifersucht sowie falsch zugestellte Briefe und irreführende Versprechungen sorgen für allerlei Wirbel, wobei Händel mit den einfachen Mitteln einer Stegreifkomödie die verlogene Gruppe der High Society beleuchtet. Am Ende wird Xerxes in seine Schranken verwiesen und muss einsehen, dass seine Macht keine Gefühle steuern kann. Kann er das Glück bei seiner geliebten Platane wiederfinden?

Xerxes zählt zu Händels letzten Opern. Sie zeugt vom ausgefeilten und virtuosen Spätstil des damals schon gesundheitlich angeschlagenen Komponisten. Nicht nur die überraschende, ganz für sich stehende erste Xerxes-Arie deutet auf eine Erneuerung seiner Musikdramaturgie hin, sondern auch der weitgehende Verzicht auf Da-capo-Formen bei den Arien und deren schnelle Wechsel mit kurzen Rezitativen. So nimmt die Oper ein schwindelerregendes Tempo auf. Händels Spätwerk ist eine bissige Persiflage auf die Sehnsüchte, die Verzweiflung und Macken sowie auf den (selbst)zerstörerischen Größenwahn des Machthabers und zugleich auf eine in sich verstrickte Gesellschaft."

 

Quelle: 

http://www.oper-frankfurt.de/de/spielplan/xerxes/?id_datum=382; 18.1.2017