"König Ödipus" im Residenztheater München

Quelle: Programmheft zu "König Ödipus", Residenztheater; PDF, 26.3.2017
Quelle: Programmheft zu "König Ödipus", Residenztheater; PDF, 26.3.2017

Ich bekomme noch recht kurzfristig einen Platz zu dieser Aufführung. 15,-- EUR für Reihe 10 ist günstig.

Man sieht in 2 Meter Höhe einen Flur, zum Zuschauerraum mit Glas abgegrenzt - wie die Rückseite einer Veranstaltungshalle. Hier treffen sich Raucher, gibt es Pausengespräche, holen sich Redner Inspiration oder Lob für ihre Rede .... die Protagonisten im dunklen Business-Anzug reflektieren das geschäftige Dasein des politischen Repräsentanten.

Das ist König Ödipus und im Gegensatz zu manch anderem  steht er fest zu seinem Wort: er will das Schicksal seines Vaters bedingungslos aufklären! Trotz Warnung, an dieser Wahrheit zerbrechen zu können, läßt er nicht locker. Und so muß er mit der Erkenntnis leben, dass er seinen Vater erschlagen, der Mann seiner Mutter geworden ist - ob unwissentlich oder nicht - spielt keine Rolle. Gestartet als großer Held zieht er am Ende gebrochen, geblendet davon - dass er Wort gehalten hat, spielt keine Rolle mehr. Und das Business geht weiter...


Eine Einführung zum Stück sei  empfohlen. Der nach diesem König benannte "Ödipus-Komplex" steht auf jeden Fall nicht im Mittelpunkt der Geschichte... gerne verweise ich an dieser Stelle an das Programmheft!

 

Interessant ist, dass ich das Stück 14 Tage später in Bozen wieder antreffe. Im Südtiroler Fernsehen wird das Stück zur besten Sendezeit vorgestellt. Insgesamt also eine Inszenierung, die Beachtung findet.

 

von Sophokles aus dem Griechischen von Dietrich Ebener;

VORSTELLUNGSDAUER CA. 1 STD. 20

KEINE PAUSE

Regie  MATEJA KOLEŽNIK

Bühne  RAIMUND ORFEO VOIGT

Kostüme  ALAN HRANITELJ

Musik  MITJA VRHOVNIK-SMREKAR

Licht  GERRIT JURDA

Choreographie  MATIJA FERLIN

Dramaturgie  GÖTZ LEINEWEBER

mit

THOMAS LETTOW Ödipus, König von Theben 

SOPHIE VON KESSEL Iokaste, Schwester Kreons, Gattin des Ödipus 

BIJAN ZAMANI Kreon, Schwager des Ödipus 

HANS-MICHAEL REHBERG Teiresias, der blinde thebanische Seher 

RENÉ DUMONT Chorführer 

WOLFRAM RUPPERTI Ein Bote aus Korinth 

ALFRED KLEINHEINZ Ein alter Hirt 

THOMAS GRÄSSLE Ein Diener

 

 

So fasst die Redaktion der Homepage des Residenztheaters das Stück zusammen:

"Das Orakel verkündet Ödipus, er werde seinen Vater töten und seine Mutter schwängern. Ödipus flieht aus seiner unsicheren Herkunft und löst das Rätsel der Sphinx. Die Antwort ist: der Mensch. Die Sphinx stürzt in einen Abgrund und die Stadt Theben feiert ihre Befreiung. Gekrönt von den Thebanern heiratet Ödipus die Königin Iokaste. Verhältnismäßig glücklich regieren sie in Theben, bis die Plagen zurückkehren, die Felder und Frauen keine Früchte mehr hervorbringen und die Pest ausbricht. Ödipus muss die Verantwortung übernehmen und den Schuldigen finden.

Hier setzt die Tragödie des Sophokles ein, an deren Ende sich der große Ödipus blendet, das Gemüt verfärbt von einer unausweichlichen Traurigkeit, die alles entstellt, dem er sich nähert. Seine "Jagd nach der Wahrheit des Orakels", wie Heiner Müller sie nennt, führt endgültig die schmerzhafte Trennung zwischen Theorie und Praxis in unser Denken ein. Die Vaterstadt verlässt er, seine Söhne bleiben zurück. Sie werden sich später gegenseitig töten."

Quelle: http://www.residenztheater.de/inszenierung/könig-ödipus; 26.3.2017